Mit ‘Behandlung’ getaggte Beiträge

Zur Zeit geschieht ziemlich viel in der Physiotherapie. Alle reden hier und da von Professionalisierung, man müsste Ergebnisse evaluieren können, es muss Sinn machen warum ein Patient die Fango bei einem BWS Syndrom kriegt oder auch nicht. Und das bitte wenn dann schon mit möglichst fundiertem wissenschaftlichem Hintergrund.

Okay, ist nicht verkehrt, es ist genauergenommen sogar gut was immoment geschieht, denn es muss Gründe geben warum man etwas tut am Patienten und ob es demjenigen dann auch tatsächlich hilft, sonst könnte man es ja auch weglassen und Zeit sparen.

Nur kann man den Körper katalogisieren? Kann man Behandlungsstandarts aufstellen die dann immer gelten? Bei jedem Patienten? Hilft die Profesionalisierung der Physiotherapie damit mehr Patienten nach einem Behandlungsblock beschwerdefrei sind?

Ich glaube nicht. Denn der Erfolg einer Behandlung hängt meiner Meinng nach nicht davon ab wieviel Techniken man kann, ob man gut in der Anamnese ist oder nicht, wieviel Fortbildungen man besucht hat oder ob man Bachelor oder gar Master ist.

Der Erfolg einer Behandlung bestimmt nicht unser Können, sondern der Körper des Patienten. Wenn der Körper eines Patienten sich wohlfühlt, wenn der Körper merkt, Mensch…mir wird gerade etwas gutes getan, ohne dass man mich zu etwas zwingt, dann denke ich ist der Behandlungserfolg um ein vielfaches erhöht.

Z.B: Manipulationen an der Wirbelsäule ohne zuvor die Muskulatur vorzubereiten!! Dadurch zwingt man Wirbel in Ihre richtige Position, nur die Halteseile der Wirbel, die Muskulatur werden dabei außer Acht gelassen, dabei ist es die Muskulatur die bestimmt wo sich Wirbel hinbewegen oder in welche Richtung sie blockiert sind!

Das sind so Dinge wo sich der Körper des Patienten meiner Meinung nach weigert. Denn der Körper lässt sich nicht überlisten. Er ist viel kluger und autonomer als wir es uns alle nur vorstellen können. Der Mensch wird glaube ich nicht durch irgendwelche grandiosen Techniken geheilt, (wenn man das ISG deblockiert, lässt sich die HWS besser bewegen etc.),  sondern allein durch die unbewusste Aufmerksamkeit des Therapeuten die er dem Patienten schenkt.

Natürlich hat man im harten Praxisalltag nicht 60min Zeit auf alle Signale des Körpers, die er einem aussendet immer Aufmerksamkeit zu schenken. Und ich meine mit Signale nicht ein unübersehbares Duchenne-Hinken! Wenn so etwas Auftritt ist der Gros der Zeichen die zuvor da waren schon erloschen. Keiner hat sie je bemerkt, denn wir haben aufgehört auf unsere körpereigenen Signale zu hören.

Letzte Woche bekam ich folgenden Satz einer Kollegin zu hören:

“Ich glaube die Patientin mögen dich so, weil du die immer voll laberst!”

Ich möchte auf folgendes hinaus:

Es ist die lückenlose Aufklärung des Patienten, die mir manchmal den Entscheidenden Vorteil bei einer Behandlung gibt, wo andere Kollegen nicht mehr weiter wissen.

Letztens kam eine Patientin zu mir mit einer Weber C Fraktur am linken Fuß. Sie wurde natürlich operativ versorgt und kam zu mir zur 1. Behandlung. Ich fragte sie was sie denn hat, und sie sagte allen ernstes zu mir sie weiß es nicht!!

Ich sagte: “Wie bitte? Sie wissen nicht was sie haben? Sie wurden operiert und wissen nicht genau was sie haben? Sie wurden unter Narkose gelegt, 3 Stunden operiert und sie wissen nicht was sie haben”?

(Alles natürlich in einem sehr freundlichen Ton!)

Dann zuckte die Patientin nur mit den Achseln und sie sagte: “Naja ich habe halt den Fuß gebrochen oder”?

Und ein riesiges Fragezeichen ist in Ihrem Ausdruck auch zu sehen: Unsicherheit!

Ich fragte sie dann:

“Finden sie dass denn in Ordnung das sie nicht wissen was sie haben?”

Sie sagte: “Nein eigentlich nicht”!

Ich fragte sie: “Wie soll ihr Körper denn gesund werden wenn sie nicht wissen was sie genau haben”?

Sie schaute mich verduzt an und meinte: “Sagen sie mir es doch bitte. ES INTERESSIERT MICH SCHON IMMER”!!

Das sind so Dinge da könnte ich in die Luft gehen.

Natürlich kann man jetzt auch sagen das ist zum Schutz der Patientin, damit sie sich keine Sorgen macht etc. Aber es passiert genau das Gegenteil von dem was man verhindern möchte!

Sie und ihr Körper distanzieren sich von der Verletzung und die Heilung wird beeinträchtigt. Und dann rödeln wir Physiotherapeuten mit allen Mitteln die uns zur Verfügung stehen rum und wundern uns warum der Fuß immer noch weh tut.

Die Identifikation mit Ihrem Problem besteht nicht. Es kann im Unterbewusstsein der Patientin kein Bild entstehen.

Ich habe die Patientin in der ersten Behandlung erst mal aufgeklärt über ihr Problem. Und dann habe ich Ihr Step by Step erläutert wie wir die Behandlung angehen werden. UND WAS SIE DABEI FÜR EINE ROLLE SPIELT!! Denn ich mache jeder Patientin klar: Wenn sie nicht mitmachen, dann habe ich keine Chance ihrem Körper zu helfen. Ist ja auch logisch.

Nach gut 25 Minuten, kurz bevor ich die Kabine verlassen wollte, ohne wirklich groß behandelt zu haben, sagte die Patientin auf einmal:

“Es ist wirklich komisch, wir haben uns mehr unterhalten, als das wir behandelt haben und es war auch gut so, aber irgendwie hat der Schmerz seitlich des Fußes etwas nachgelassen. Kommt das jetzt nur von dem bisschen bewegen was sie gemacht haben? Oder bilde ich mir etwas ein?”

Ich sagte: “Ihr Körper weiß jetzt wo das Problem liegt, er fängt gerade an sich selber zu heilen.”

Dasselbe ist es wenn es banal nur um ein LWS Schmerz geht. Ich teile jedem meiner Patienten mit, was sie haben könnten, denn auch wir wissen es nicht immer genau. Das weiß allein nur der liebe Gott.

Ich sage Ihr, was sie meiner Meinung nach hat, was sie tun kann damit das, auch wenn ich nicht da bin vielleicht besser wird, und was wir in der Therapie tun werden damit die Beschwerden besser werden.

Es sind dann so Sätze wie:

“Also, wir versuchen nun etwas Spielraum in Ihre Lendenwirbelsäule zu bringen um den Druck auf die Bandscheiben etwas zu verringern, denn sie können sich ja vorstellen das etwas weh tut wenn es dauernd zusammengedrückt wird.”

Dabei symbolisiere ich 2 Wirbel mit meinen Händen die aufeinander reiben.

Das kann sich ein Patient dann vorstellen und vielleicht stellt er sich genau dies während der anschließenden Traktion der Lendenwirbelsäule vor, der Patient hat ein Bild in seinem Kopf von dem was ich gerade tue.

Und ob es dann wirklich die Behandlung ist die hilft oder die Suggestion die ich jedem Patienten mit auf den Weg gebe, das werden wir wohl niemals erfahren.

Eines ist aber sicher:

Hat der Patient keinen Fahrplan mit Endstation Gesundheit, wird der Körper womöglich nie dort ankommen. Diese Patienten werden dann in die Ecke der “Psychos” geschoben. Nicht ohne Grund sondern vielleicht, weil der Patient mal über sein spezielles Problem aufgeklärt werden sollte und was man mit Ihm vorhat!!

Physioblogger

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Heute darf ich euch etwas echt tolles mitteilen:

Ich habe es zum ersten mal in meinem Berufsleben geschafft einen schmerzhaften Ellenbogen erfolgreich zu behandeln! Genauer gesagt: Epicondylitis radialis humeri.

Unzwar wie sollte es auch anders sein: Der Erfolg kam mit der Triggerpunkttherapie!

Ich weiß auch nicht, irgendwie reagieren die Extensoren und die Flexoren des Unterarmes nicht so wie andere Muskulatur in unserem Körper. Sie werden komischerweise bei mir weder spürbar weicher nach einer Massage, noch sprechen diese schlecht auf Dehnung an und sogar die äußerst erfolgreiche Querfriktion hilft auch meistens nur so lange wie der Patient aus der Praxis geht.

Das ist einfach die Erfahrung die ich mit so ca. 50 Ellenbogen machen durfte. Immer sehr sehr schwierig. Und ich muss sagen, hatte ich in der Vergangenheit bei diesem Krankheitsbild echt immer wie auch sonst alles gegeben, aber es hat nie länger wie 1 Tag angehalten. Auch Kollegen berichten mir immer wieder Probleme bei der Therapie dieses Krankheitsbildes.

Hat vielleicht jemand von euch schlauen Köpfen da draußen eine Erklärung, warum diese Muskulatur augenscheinig so schlecht auf Therapiemaßnahmen anspricht?

Normalerweise behandelt man ja dieses Krankheitsbild mit der üblichen Querfriktion. Mit der jedoch habe ich noch nie Erfolge vorweisen können.

Aber die Patientin die ich jetzt habe ist total begeistert. Und ich ebenfalls! Ich habe Ihr dann noch ein Kinesio Tape angelegt und siehe da: Mit dem Kinesio Tape welches ich mit einer Faszientechnik angelegt habe ist der Schmerz KOMPLETT weg! Ja genau: WEG!

Ihr glaubt gar nicht wie ungläubig ich geschaut habe als die Patientin mir das heute erzählt hat. Denn bis heute hat nämlich auch jedes Kinesio Tape welches ich bei diesem Krankheitsbild angelegt habe überhaupt nicht gewirkt.

Also liebe Leser…und natürlich auch Betroffene…was habt Ihr für Erfahrungen mit dem Ellenbogen machen dürfen? Was hat geholfen? Was nicht? Wie behandelt Ihr?

Ich bin gespannt:

Physioblogger

Ja okay ich weiß, die Überschrift ist sehr polarisierend, aber genau das soll Sie ja auch. Die anderen haben Ihren Porno kram und ich das Wort Rückenschmerzen.

Ich möchte euch mal einen kleinen Einblick gewähren, wie meine Therapie ausschaut gegen Rückenschmerzen.

Here we go:

1. Wenn auf dem Rezept Massage statt Krankengymnastik steht dann kläre ich den Patienten auf und stelle Ihn vor die Wahl:

Massage nach Rezept oder Ursachenbekämpfung

Erfreulicherweise entscheiden sich viele für die Beseitigung der Ursache.

Wenn dies also geklärt ist, geht es in die erste Behandlung:

Standartfragen: Wie? Wo? Wann? Was? Was macht es besser? Was haben Sie schon alles unternommen um das Problem in Griff zu kriegen? Wer hat sie bisher behandelt und wie?

Nach der Befundung geht es ans Eingemachte:

Ich schaue mir jetzt die Statik des Patienten an, das heißt ich untersuche den Patienten auf eine Beinlängendifferenz hin. Dies geschieht in RL und ab 45° angehobenen Beinen, die ich natürlich hochhalte um zu sehen was Sache ist. Ab 45° deswegen weil mich das Becken (das großen Einfluß auf die BLD hat!) erstmal nicht interessiert, es geht ja nur um die Beine.

Da stellt sich bei über 85% meiner Patienten heraus das diese eine BLD (Beinlängendifferenz) haben.

Ich schaue mir an welches Bein länger ist und versuche mit Hilfe der Dorn Therapie das längere Bein kürzer zu machen um so einen Ausgleich zu erhalten.

Nach jder Korrektur (Fußwurzeln, Sprunggelenk, Knie, Hüfte) schaue ich mir wieder die BLD an ob sich etwas verändert hat und notiere mir die Veränderungen.

Sollte nach dem Dornen beider Beine kein Ausgleich zu schaffen sein, kann man eigentlich davon ausgehen das sich das Becken (also eine der beiden Illiumschaufeln) in Torsion (Drehung) befindet.

Ab jetzt ist es klassische Manualtherapie. Das Illium auf der Seite an dem Bein welches noch immer länger ist, wird nun nach hinten mobilisiert. Nach ein paar Minuten Illiummobilisation nach hinten lasse ich den Patienten wieder in RL  legen und überprüfe erneut.

Nun ist meist ein vollständiger Ausgleich geschafft und ich lasse den Patienten hinstellen und überprüfe anhand der Höhe der Illiumschaufeln ob sie sich auf gleicher Höhe befinden.

Nachdem das gegessen ist, ist wieder Manualtherapie angesagt:

Ich mobilisiere (nicht manipuliere!) die LWS sodass sich die Blockaden auch hier auflösen. Das selbe geschieht mit der BWS in Bauchlage.

Denn auch Blockanden in der Wirbelsäule können sich in einer BLD wiederspiegeln.

Das war nur die erste Behandlung. In 20 min. durchaus zu schaffen, meistens brauche ich aber 25 min. In den darauffolgenden Sitzungen wird die BLD überprüft und wenn nötig kurz korrigiert, um die korrekte Statik des Patienten aufrecht zu erhalten.

Jetzt erst ist die Wirbelsäule gerade und jetzt erst kann die Muskulatur auf Behandlung reagieren, Sie hat nämlich keine Chance zu reagieren wenn von der Wirbelsäule ständig negative Signale kommen. Was macht die Muskulatur? Na klaro- sie verspannt sich, möchte den Schaden festhalten ist doch auch verständlich. Und darauf dann zu massieren oder sonstwas halte ich für Symptombehandlung. Dies ist nicht meine Intention!

Bsp: Wenn euer Keller schief ist (Becken), was meint Ihr wohl wird euer Dach (HWS) ausschauen? Es ist genau so schief, jetzt macht ihr da oben rum etc. Was passiert mit dem Keller? Richtig dort unten verändert sich nichts, die Statik des Hauses wird immer miserabel bleiben.

Jetzt erst fange ich mit der 2/3 Behandlung lokal an der schmerzenden Muskulatur an zu arbeiten. Aber auch jetzt gibt es keine 0815 Massage und dabei schön unterhalten…nein ich verwende sehr häufig (über 90%) die Triggerpunkttherapie.

Extrem effizient, extrem anstrengend, extrem Patientenorientiert, extrem Problemorientiert.

Das ist genau das was hilft-bei mir und meinen Patienten zumindest.

Diese Kombination aus Triggerpunkttherapie/Dorntherapie/Manualtherapie wird jetzt noch durch Kinesio Tape Anlagen ergänzt. Diese ergeben sich aus dem Befund.

Also entweder stabilisierend, mobilisierend, Muskel oder Fascientechniken.

Diese Behandlung wirkt bei ca. 60-70% aller Patienten schon sehr gut. Natürlich gibt es immer wieder speziellere Fälle die eine andere Vorgehensweise erfordern.

Dies ist auch nicht mein Standartprogramm..bitte versteht mich nicht falsch, dies ist nur die Therapie bei der ich feststellen konnte das diese den meisten Behandlungserfolg bringt.

Gruß:

Physioblogger