Immer wieder muss ich leider feststellen, das man Physiotherapie unnötig kompliziert machen möchte.

Hatte diese woche einen kleinen Plausch mit einer studierten Maitland Therapeutin.

Mein Gott..an was die alles denken während sie Therapieren, dass ist mir schon fast ein wenig unheimlich. Ich erzählte ihr von meinen guten erfolgen, HWS Bewegungseinschränkungen zu therapieren, indem man den Patienten hinsetzen lässt, der Therapeut kniet auf der Bank dahinter, nimmt den Kopf mit beiden Händen in eine Traktion und rotiert dann während man die Traktion hält in die Bewegungseinschränkung.

Daraufhin verdrehte sie die Augen, und meinte, das das etwas gefährlich ist, denn durch diesen Zug, und er ist bei mir nicht wenig, kommt die A. carotis auf Zug und wenn in dieser Arterie Fissuren oder sonstige Mist Dinge sind, dann könnte es passieren das mir der Patient auf der Liege umkippt.

Es tut mir leid aber das halte ich für kompletten Unsinn! Natürlich kann das vorkommen, keine Frage. Dies ist aber so selten,(kennt ihr einen Fall? ;)) das ich diesem Faktor eigentlich keine Bedeutung zumesse.

Was ich damit sagen möchte ist folgendes:

Ich denke unser Körper funktioniert auf der Ebene der Physiotherapeutischen Möglichkeiten nicht immer so komplitziert wie wir alle denken. Auch glaube ich nicht an einen Cranio-sakralen Rythmus…und wenn es einen gibt, ich glaube nicht das wir diesen spüren könnten. Oder auf Bewegugen der Suturen. Gut bei einem Kleinkind wo die Suturen (Schädelnähte) noch nicht vollständig zugewachsen sind okay, aber bei einem 50 jährigen Mann? Never….

Ich wette mit euch, legt 20 Patienten auf eine Liege, nehmt 10 Cranio Sakral Therapeuten und jeder soll einen Befund über den Cranio sakralen Rythmus machen. Bei jedem Patienten kommt ein anderer Befund raus. Also bedeutet das dies ist nicht valide!

Oder auch sehr beliebt:

Versuche mal bevor die die HWS mobilisieren möchtest, das ISG zuvor zu behandeln, dann wirst du merken das sich die HWS besser bewegen lässt!

Sorry, aber an soetwas glaube ich einfach nicht. Nicht weil ich mich der Sache verwehre, sondern weil ich im Laufe meines Berufes so einen Blödsinn noch nie erlebt habe.

Man könnte ja wieder so einen kleinen Test machen:

Nehmt 20 Patienten, alle mit Bewegungseinschränkungen in der HWS, und 10 Therapeuten. Lasst alle 10 Therapeuten die HWS auf ihre Beweglichkeit untersuchen und notieren. Dannn schickt ihr alle raus mit dem Satz: „Es werden jetzt 8 Patieten eine ISG Mobilisation bekommen. Und danach schickt man alle Therapeuten wieder rein, und diese sollten dann wieder die HWS untersuchen und notieren bei welchen Patienten die HWS Beweglichkeit aufgrund einer ISG Mobilisiation gestiegen ist.

In Wirklichkeit wurde natürlich bei keinem der Patienten eine ISG Mobilisation durchgeführt!

Jetzt könnt ihr euch anstrengen und darüber nachdenken wie wohl die Befunde ausgehen werden.

Ich lach mich tot!

Ich hoffe ihr wisst was ich damit ausdrücken möchte. Macht einen ordentlichen Eingangsbefund, und hebt während der Behandlung nicht ab! Denkt an die ganz wichtigen Dinge die unbedingt passieren müssen, auf die es wirklich ankommt. Und Behandelt.

Macht euch mehr Gedanken um den Patienten als um irgendwelche Dinge die irgendwann mal passieren sollen, in irgendeiner Behandlung und für die es nicht wirklich handfeste Begründungen gibt!

Hört auf die Signale des Patienten, seid eins mit ihm…geht auf ihn ein, beachtet Kontraindikationen die es immer gibt…und ihr seid auf der Gewinnerstraße…und von dem vielen Geld was ihr euch bei den teils unnützen Fortbildungen spart, geht ihr mal wieder richtig gut essen!

Guten Appetit!

Physioblogger

Advertisements
Kommentare
  1. INRI sagt:

    Vielen Dank für Deinen Beitrag!
    Ich bin selbst Maitland- Therapeut und behandle in der Woche ca. 50 Wirbelsäulenpatienten. Das Ding mit der ISG „Hexerei“ glaube ich auch nicht, und übrigens viele „Maitlander“ auch nicht. Und mal davon abgesehen ist es bei mir auch noch nie vorgekommen…
    Und zu der HWS: unser „Doc“ im Studium hat gemeint, bevor Dein beschriebener Fall mit der Arterie eintritt, müßte vorher der Knochen brechen oder Bänder reißen, weil Arteriengewebe viel elastischer ist, als das umliegende Gewebe, egal wie alt der Patient ist. Klingt doch logisch, oder?!

  2. physio sagt:

    Super Beitrag!

  3. magic_hands_and_brains sagt:

    Sorry, daß ich Dir widersprechen muß, aber beim ISG und HWS gibt es schon eine Verbindung.
    Allerdings stimme ich Dir zu, daß nur weil man/frau mal HWS Probleme hat, das ISG (oder SIG) nicht untersuchen brauch. Tritt die HWS-Problematik trotz gut verlaufender Therapie (schmerzfrei nach Behandlung) immer wieder auf, lohnt es sich das ISG mal zu untersuchen, denn die langen Rückenstrecker gehen vom Sacrum und dem Beckenkamm bis zur Linea Nuchae.
    Bestes Beispiel dafür ist eine Patientin von mir, deren Situation sich trotz Behandlung (nach jeder Sitzung war sie schmerzfrei…für ein oder zwei Tage) nicht verbessert hat.
    Es stellte sich heraus, das ihr ISG blockiert war => ISG Behandlung + HWS Behandlung und sie war fast einen Monat schmerzfrei…. seitdem untersuche ich immer ihr ISG, wenn sie mit HWS-Probleme kommt.
    Und jedesmal war das ISG blockiert…. allerdings muß natürlich auch nach wie vor die HWS mitbehandelt werden, aber diese Kombination sorgt für schmerzfreie Wochen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s