Der Unterschied zwischen Dehnen und Stretching

Veröffentlicht: 24. Januar 2010 in Techniken, Therapiemethoden
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Liebe Leser,

ein Bekannter hat mich auf diese tolle Idee gebracht, diesen Beitrag zu schreiben.

Wichtig: Die Begriffe dehnen und Stretchen (Stretching) sind nicht genau in der Fachliteratur definiert, deswegen schreibe ich in diesem Artikel meine gannz persönliche Einschätzung. Wie man sich richtig dehnen bzw. stretchen sollte, ist immer eine persönliche, individuelle bzw. Erfahrungssache.Ich übernehme keinerlei Haftung falls es beim ausprobieren zu Problemen und/oder Schmerzen kommt.

Nun zum Beitrag:

Dehnen:

Das Dehnen wird meistens nach dem Sport gemacht. Nach dem Sport sind die Muskeln einer erhöhten Spannung ausgesetzt, durch diese Tätigkeit kann der Muskel größere Kraft durch Vorspannnung im entschiedenden Moment aufbringen. Und diese erhöhte Spannung gilt es nach dem Sport wieder abzubauen. Das Dehnen wird üblicherweise lang und anhaltend ausgeführt, un eine entspannnung des Muskels herbeizuführen. Wichtig dabbei ist, dass man nicht anfängt beim Dehnen „nachzuwippen“. Dieses „nachwippen“ gibt dem Körper nämlich gennau das umgekehrte Signal, dass Signal der Spannungserhöhung. Und genau dies wollen wir ja vermeiden. Außerdem ist es extrem wichtig, direkt nach dem Sport zu dehnen, da die Muskulatur da noch weich und gut durchblutet ist, sprich das Dehnen ist weniger schmerzhaft und geht leichter weil man nicht so viel Wiederstand zu überwinden hat.

Dehnungsempfehlung:

Nach dem Sport gibt deinem Körper eine kurze Pause. Ca 5-8 Minuten. Danach dehnst du díe entsprechend belasteten Muskeln (beim Joggen zum Bsp. beide Beine) für 45-60 Sekunden anhaltend und ohne nachwippen. Danach 15 Sekunden Pause und die ganze Prozedur noch einmal mit den Muskel. Also pro Muskel/Muskelgrupppe je 2 mal. Danach Muskel/Muskelgruppe wechseln.

Stretching:

Das Stretching ist quasi genau das Gegenteil vom Dehnen. Das Stretching dient dazu die Vorspannung des Muskels zu erhöhen, um dann mit dieser erhöhten Vorspannung schneller Kraft freisetzen zu können. Zum Beispiel bei einem 400m Rennen. Oder ihr probiert es mal aus: Stellt euch hin, geht dann ganz leicht in die Knie ca 5° Grad und springt so fest ihr könnt hoch, aber ohne vor dem Sprung noch weiter in die Knie zu gehen! Und jetzt macht das selbe mal, so wie ihr es gewohnt seid. Ihr werdet feststellen das ihr beim 2. Versuch stark in die Knie geht. Das dient der Muskelvorspannung. Jetzt wisst ihr was ich meine. Und diese Vorspannung gilt es beim Stretching zu erhöhen. Hier ein Prominentes Beispiel auf Youtube. Schaut euch die Läufer von Sekunde 7 bis Sekunde 10 mal an. Die springen so komisch hoch, genau! Sie erhöhen die Vorspannung der Muskulatur um dann enorm schnell aus dem Startbllock rauszuspringen. Stretching dient dazu den Körper in eine sogenannte „Flight and Fight Situation“ zu bringen. Und somit den Körper in einen Ausnahmezustand zu versetzen.

Ich persönlich würde sagen, dass diese Form der Kraftoptimierung nur im absoluten Leistungsbzw. Hochleistungssport Sinn hat, bzw merkbar ist. Jedoch machen wir alle diese Form der passiven Krafterhöhung zum Beispiel beim Hochspringen automatisch, sodass eine Empfehlung mir nicht sinnvoll erscheint.

Physioblogger

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Kommentare
  1. Jochen Meloh sagt:

    Hallo lieber Kollege,
    ich muss Dir ein wenig widersprechen. Dehnen nach dem Sport und da insbes. nach dem Wettkampf sollte erst später geschehen, da die Eiweißstrukturen der Muskeln dann sehr empfindlich sind. Erst andere Regenerationsmaßnamen machen, wie Auslaufen. Nach harten Wettkämpfen durchaus erst am nächsten Tag dehnen.

    Die Definition von Streching ist interessant, aber nicht allgemein gültig. Zur Unterscheidung durchaus hilfreich.

    mfg: Jochen Meloh

  2. @Jochen:

    Hallo Kollege! Du hast natürlich volkommen recht. Man sollte besonders nach dem Sport sich erst ein wennig auslaufen, und erst danach das Dehnen beginnen!

    Und die Definition von Stretching ist ja wie ich schon geschrieben habe, nicht wissenschaftlich erwiesen, deswegen stellt diese Definition auch nur mein Standpunkt da.

    Viele Grüße:

    Physioblogger

  3. bendowa sagt:

    Hallo Physioblogger,
    ich wusste gar nicht, dass Dehnen und Stretching nicht das gleiche ist. Zumal es ja nur die englische Bezeichnung ist.
    Schöne Grüße

  4. Siehste mal….

    Freut mich das ich etwas Licht ins Dunkel bringen konnte…

    Physioblogger

  5. einzelmensch sagt:

    Interessant, interessant.
    Ich dehne mich nach dem Laufen auch immer, halte die Spannung aber höchstens 10 Sekunden. Ab sofort werde ich es länger tun! 🙂
    Interessante Seite, die du da hast.

  6. @Einzelmensch:

    Schön das ich Dir die Anregungen für dein Dehnprogramm geben konnte!

    Auch möchte ich mich für das Kompliment zur meinem Blog Herzlich bedanken!

    Physioblogger

  7. phYsines sagt:

    Dehnen/Stretching/Relaxing wird ziemlich kontrovers diskutiert – in meiner MT-Ausbildung ging das Dehnen mit Maximalkraft und Zerreißen von Strukturen bei reversibler struktureller Verkürzung einher – alles andere ist Relaxieren.. Relaxieren ist es solange, solange ein Weggewinn zu erreichen ist, sollte das nicht mehr gehen, muß zum Beispiel anhand von Endegefühl festgestellt werden, obs ne reversible oder irreversible Verkürzung ist – Strukturelle reversible Verkürzung verlangt nach Dehnung! Beispiel bei Coxarthrose-Patienten der Iliopsoas – immer ne Indikation, um das Hüftgelenk zu entlasten, nur muß der Patient in der Lage sein, von jetzt auf gleich die Maximalkraft loszulassen.. Hab ich anfangs immer tierisch Bammel davor gehabt und mach das auch nur, wenn ich mir sicher bin, anders ginge es nicht mehr – vorausgesetzt ich hab ausgeschlossn, daß es irreversibel ist und somit ne Dehnung wieder eine Kontraindikation wäre! Im Sport ist das an sich aber auch gefordert, wobei die Sportler die Verkürzungen ja künstlich rausfordern, um ne schnellere Zuckung und somit für das Rennen/den Start ne schnellere Leistungsspitze des Muskels zu erreichen.. Aber langfristig gibts halt auch da Probleme, Profisport führt in den meisten Fällen zum höheren Pflegebedarf des Körpers..

    Und n Trainingsdehnen der Muskulatur über 45 sek setzt die Leistungsfähigkeit des Muskels schon um glaube 50 Prozent herab.. Da ich aber nur Gelegenheitssportbetreuung mache, weigere ich mich, an dieser Stelle tiefer zu gehen..

    Wichtig ist meiner Meinung nach, daß Ihr – egal, wie ihr es bezeichnet, wißt, was ihr damit erreichen wollt… Auch wenn man dem Kind nen anderen Namen gibt, der Hintergrund und das Verständnis für Euer Tun muß klar sein..

  8. @ Physines:

    Den letzten Absatz unterschreibe ich sofort!

    Alles andere ist eh nur Theorie! Bewiesen ist nichts!

    Physioblogger

  9. phYsines sagt:

    Deswegen schrieb ich ja, so hätte ichs gelernt.. In dieser einen Fortbildung.. Man hörts einfach in jeder anders – und hast Du 20 Kollegen, hast Du mindestens 15 unterschiedliche Ansichten..

    Der Schlußsatz ist das, was alltäglich für mich wichtig ist – und nicht nur dieses Thema betreffend, sondern in allem, was man seinen Patienten „antut“.

    Hast eigentlich schon mal was von der Therapie Liebscher & Bracht gehört? Mir kräuseln sich die Fußnägel bei dieser Vorstellung – vielleicht auch nur, weils im totalen Widerspruch zu meiner Einstellung steht und als ultimative Therapie verkauft werden soll.. Nur.. Gibt es die ultimative Therapie nicht meiner Meinung nach… Und schon gar nicht als niedergeschriebene oder werbetechnisch gut vermarktete Geldverdienmaschine.. Ich laß mich grad gehen – muß erstma abschalten.. N8i.

  10. […] – Dehnen Übungen (Blog) Dehnen mit Personal Trainer (Blog) Dehnen nicht vergessen (Blog) Der Unterschied zwischen Dehnen und Stretching (Blog) Ähnliche Beiträge:10 Fehler die du beim ersten Halbmarathon vermeiden solltestWas […]

  11. Also ich hätte nicht gewusst, dass es da einen Unterschied zwischen Dehnen und Stretching gibt. Bist als Linktipp in meinem Dehnen-Beitrag:
    http://www.runningwilli.com/training/aktives-oder-statisches-passives-dehnen/

    Lg
    RunningWilli

  12. Heike sagt:

    Ich muss mich bendowa anschließen, ich dachte immer, dass Stetching und Dehnen das gleiche ist. Obwohl ich schon einiges darüber gelesen habe, ging das nie klar hervor. Bestimmt wissen das viele nicht. Danke für die schöne Erklärung.

  13. Marie sagt:

    Der Artiekl gefällt mir, jedoch halte ich die Definition des Begriffs Stretching für eine ganz persönliche. Streching ist nicht anderes als der englische Begriff für Dehnen (auch im sportlichen Sinne: http://de.wikipedia.org/wiki/Stretching). Wenn es wirklich stimmt, dass Stretichng das Gegenteil von Dehnen ist, wie nennt der Engländer dann das Dehnen? 😉 Womit ich einverstanden bin, ist dass es verschieden Formen des Dehnens/des Stretching gibt. Aber ich muss phYsines in der Hinsicht Recht geben, dass es mehr auf den Inhalt als auf den Begriff ankommt. Von daher – toller Artikel!

  14. Ingo sagt:

    Das Thema „dehnen“ & „stretchen“ hatten wir erst vor kurzem mit unserer Fußballmannschaft. Wie genau stretcht man am besten VOR dem Spiel und wie dehnt man nach dem Auslaufen am Ende des Spiels?

    Kann mir da jemand Beispiele nennen, insbesondere VOR dem Spiel?

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