Seid ehrlich zu euren Patienten!

Veröffentlicht: 9. Dezember 2009 in Therapiemißerfolge
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Ich hatte vor einiger Zeit einen Patienten, mit einem neuen Kniegelenk. (TEP).

Der Patient, klagt über starke Schmerzen hinter der Kniescheibe-die sich leider durch nichts und niemanden auch nur im geringsten verändern. Die Behandlung schafft Ihr zwar immer erleichterung und das auch nur für ein paar Stunden, aber das kann ja nicht mein Ziel sein.

Irgendwann nach bestimmt 20 Behandlungen, 30 verschiedenen Techniken, Kinesio Tape (versch. Anlagetechniken), und noch mehr aufgeopfertes Gehirnschmalz meinerseits sagte ich zu Ihr:

Liebe Frau Hastenichtgesehen,

wir haben mittlerweile so viele Sitzungen hinter uns und meine Arbeit führt bei Ihnen nicht zu dem gewünschten Erfolg.

Ich weiß nicht wie ich Ihnen noch groß weiterhelfen soll…egal was wir machen es geht nicht vorwärts.

Ich weiß nicht was ich noch tun soll….was Ihnen wirklich hilft.

Wir haben dann in dieser Sitzung Lymphdrainage und den Oberschenkel massiert.

Was ich damit sagen will:

Bitte liebe Kollegen und Kolleginnen, seid ehrlich zu eurem Patienten und rückt wenn es sein muss auch mit dieser sehr bitteren Wahrheit heraus, dass eine Therapiefortführung nicht für den Patienten von Nutzem ist. Denn somit mißbrauchenwir  im hohen Maße das Vertrauen des Patienten und schüren die Hoffnung umsomehr auf Besserung.

Das ist ein manchen Fällen Betrug am Patienten.

Unser Ziel sollte sein, dem Patienten so gut wie möglich zu helfen, und Ihn nicht mit seinen Schmerzen eine sinnlose Therapie machen zu lassen.

Also bitte: Sagt, wenn nichts mehr vorwärts geht, dies dem Patienten.

Und hört auf mit der Rumhurerei mit den Rezepten….ohje..der soll bloß nicht woanders hingehen, ja nicht ein Rezept mit Absicht verlieren weil der Patient dann ja woanders hingeht.

Und weitere Szenarien……WAS??!!?? Du hast dem Patienten gesagt er soll woanders hingehen? Bist du verrückt? So stellst du die Praxis ja schlecht dar etc etc etc etc…

Wovor diese Angst? Seid ehrlich….vor allem mit euch selbst.

Wir können nicht jedem Menschen helfen…der Körper ist viel komplexer als wir alle vermögen.

Denn ich möchte nicht der Therapeut sein über den man sagt:

„Mensch, jetzt komme ich schon seit einem halben Jahr und es tut sich bei dem Therapeuten/Praxis einfach nichts“

Du etwa?

Manchmal kann es auch schon helfen, den Patienten praxisintern an einen anderen Kollegen zu vergeben!

Physioblogger

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Kommentare
  1. mkraxx sagt:

    Hmmm, so genau kann ich da ja noch nicht mitreden, aber prinzipiell schätze ich Ehrlichkeit den Patientinnen und Patienten gegenüber von allen Berufsgruppen die mit ihnen zu tun haben als sehr hoch ein.

    Imagegründe (…stellst du deine Praxis schlechter dar…) sollten nicht zählen, kann aber bei gewissem Erwerbsdruck wahrscheinlich für Einzelpersonen schwierig werden…

    Generell ist’s meiner Meinung nach mit der Ehrlichkeit umso schwieriger, je happiger das Thema ist, ich sage nur ärztliche Aufklärung von Tumorpatienten…

    Nichtsdestotrotz – eine schöne Einsicht…

  2. Ilana sagt:

    Ich hab vor 2 Wochen gewechselt – mit dem Physiotherapeuten von der kleinen Praxis weg zu einem großen Anbieter (der PT arbeitet bei beiden). Unter der Hand, denn sonst hätte er sehr große Probleme bekommen. Der Grund: in der kleinen Praxis ist ausser einem kleinen Trampolin kein einziges Trainingsgerät (geht um Knie und Sprunggelenke, die völlig instabil und „kaputt“ sind, Rückenproblemen und Fibromyalgie) und das was wir dort erreichen konnten, haben wir erreicht (und das ist schon sehr viel!). Beim anderen „Anbieter“ steht neben einem großen Trampolin eine große Halle mit Geräten, eine Weichbodenmatte und eine Gehschule zur Verfügung. Und so gibt es sie wieder: die Chance wieder ohne Krücken rumlaufen zu können. Ist übrigens immer noch der PT aus der Praxis, die du mir damals empfohlen hast – Danke dir da nochmal für 🙂

  3. @Ilana:

    Mensch, klasse das freut mich aber…das ich dir eine gute Praxis empfohlen habe.

    Sag doch deinem Physiotherapeuten wie du auf die Praxis gekommen bist. Der würde sich bestimmt über den Blog freuen!

    Physioblogger

  4. Ilana sagt:

    das weiß er schon 😉

  5. @Ilana:

    du wirst mir immer sympatischer..sag ihm doch mal er soll ein Kommentar schreiben. Das fände ich echt witzig!

    Danke

    Physioblogger

  6. Andrea Danowsky sagt:

    Hi Physioblogger,

    ich finde deinen Artikel echt super.Viele PT glauben leider,für jeden nicht erreichten Therapieerfolg verantwortlich zu sein und somit versagt zu haben wenn das große Ziel nicht erreicht ist. Aber wie du schon sagtest,der Körper ist viel zu komplex als das er so einfach zu durchschauen ist. Oft spielt eine lange Vorgeschichte eine große Rolle,die die Strukturen irreversiebel verändert hat,die OP ist nicht ganz so toll verlaufen etc. und nicht zu vergessen ist die Psyche des Patienten,die eine starke Barriere darstellen kann.Dem Patienten ehrlich gegenüber zu seiner,fordert auf der einen Seite genug Fachwissen,um sicher sein zu können was man sagt und auf der anderen Seite Stärke,sich eingestehen zu können,das anderePT vielleicht etwas können was einem selber nicht liegt. Hand aufs Herz,an diesem Punkt muß wohl jeder von uns noch arbeiten.
    In diesem Sinne

    Frohe Weihnachten

  7. drgeldgier sagt:

    Es gibt leider Therapeuten – Ärzte, Physio…, – die halten Patienten – vor allem gut bezahlende – gerne in der Schwebe zwischen gesund und krank, um ihnen dann zu vermitteln, dass sie ständig eine gewisse Mindestdosis an Therapie – natürlich nur durch sie selbst – bräuchten.
    Danke, dass Du Dich mit Deinem Artikel auch gegen diese Art von Miss-Handlung stellst.

  8. @drgeldgier:

    Absout!

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