Rückenmassage zu unspezifisch!

Veröffentlicht: 15. Februar 2009 in Allgemeines
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Liebe Leser,

ich erlebe es seit ich meinen Beruf ausübe viel zu oft, dass manche Therapeuten egal bei welchem Krankheitsbild dem Patienten eine Rückenmassage verpassen!

Aktuelles Beispiel:

Ich bekomme eine Patientin von einer Praxisinternen Kollegin, die sich mit Schmerzen am Ansatz des M. trizeps brachii sich bei mir vorstellt. Auf meine Nachfrage hin was denn bis jetzt schon alles unternommen wurde um das Problem zu beseitigen, bekomme ich die Antwort:

Naja mir wurde der Rücken massiert.

Ich fragte dann wo denn (es könnte ja Gründe geben!) und ich bekomme die Antwort:

Überall ein bisschen! Von Po bis Hals.

Okay.

Hat sich denn schon mal der Kollege den Ellenbogen wenigstens angesehen? Die promte Antwort:

Nein. Bis jetzt noch nicht.

Ich schaute nach wieviel Behandlungen die Patientin schon bekommen hat und stelle mit Entsetzen fest: 5 Stück!

Dann denke ich mir: Hey wenn das hilft warum nicht, der Kollege hat sich ja hoffentlich an das Thema: Evidenced Based Practice gehalten. Ich frage also den Patienten was die Rückenmassagen für den behandlungserfolg gebracht haben:

Eigentlich gar nichts!

bekam ich als Antwort!

Und ich stehe mit einem riesigen Fragezeichen über die Leistung des Kollegen nun in der letzten Behandlung vor dem Patienten und frage mich allenernstes: Wat soll dat?

Spätestens jetzt schrillen bei mir die Alarmglocken und ich bin echt etwas wütend und enttäuscht.

Ich habe mich dann in der letzten Behandlung mal voll ins Zeug gelegt:

Nach Befund:

Detonisation des Muskels (Entspannung), Triggerpunkttherapie und Querfriktion am Ansatz des Muskels.

Warum in Gottes Namen massiert man bei etlichen speziellen Krankheitsbildern verdammt nochmal den Rücken wenn es keinen Zusammenhang zwischen Rückenmuskulatur und dem Krankheitsbild gibt?

Egal in welcher Praxis ich war, egal ob jung oder alter Therapeut. Jeder massiert den Rücken! Unspezifischer kann man doch gar nicht arbeiten oder? Möchtest du so behandelt werden? Ich glaube nicht lieber Leser.

An alle Physiotherapeuten da draußen: Besinnt euch auf euer Können! Wir können soviel, wissen manch mehr als jeder Orthopäde, haben ein tolles Gespür für die verschiedensten Gewebe an unserem Körper. Können aufgrund unserer Erfahrung Schmerzsymptomatiken erkennen, auf die sonst niemand kommt.

Also bitte:

Setzt eure Werkzeuge auch ein!!

Wir sind einfach zu gut dafür ausgebildet um einfach nur den Rücken zu schrubben!! Wir sind Gewebefeinmechaniker und schleppen unser tolles Werkzeug immer mit uns rum. Bitte lasst es nicht in der Schublade verschwinden.

Dabei geht es nicht um euch….nicht um eure Fähigkeiten….das ist total wurscht….es geht hier nicht um einfach irgendetwas….

Es geht um unsere Patienten!

Begebt euch bei jeder Behandlung auf die Suche nach der Ursache. Eure Patienten werden es euch danken!

Und noch eines:

Macht euch mal Gedanken:

Ein Muskel braucht durchschnittlich ca 6-10 Minuten damit dieser auf eine Massage mit Mehrdurchblutung und Detonisation reagieren kann. Also: Wenn Ihr den ganzen Rücken massiert wieviel wird davon dann wohl effektiv ankommen bei sagen wir mal 80 Muskeln am Rücken?

Merkt Ihr was?

P.S: Es geht hier um spezielle Krankheitsbilder und deren Erfolg bei einer Rückenmassage. Eine gute Rückenmassage hat trotzdem Ihre Berechtigung! Z.B.: Bei nervösen Unruhezuständen in der Psychatrie ist dies eine ganz tolle und effektive Therapie. Bei  Schlafstörungen oder einfach mal nur um es einem Patienten mal als Luxus zu gönnen, nach erfolgreicher Therapie. Auch kann man mal den Rücken massieren bei LWS Beschwerden-gar kein Thema, aber bitte dann nicht den ganzen Rücken sondern speziell für dieses Krankheitsbild!

Physioblogger

Kommentare
  1. kinderdok sagt:

    naja, der rücken ist doch schön gross – da kann man doch mal kräftig hinlangen.
    interessant, was du schreibst – wenn man sich als laie einen physiotherapeut vorstellt, denken sich viele patienten schlicht einen masseur (siehe budapester dampfbad) – dick, massig, schlachterhände, der den rücken bearbeitet. und diesem bild wollen vielleicht manche kg´s auch nacheifern

  2. Darf man hier auch als Betroffene? Egal ich tu´s einfach mal:

    Zahlreiche Rückenmassagen habe ich im Laufe meines Lebens erhalten, wirklich gebracht haben alle nichts, außer der bereits beschriebenen Entspannung und dem Gefühl von ein wenig Luxus.

    Oftmals hab ich das Gefühl die Orthpäden sind nur wild aufs Karte durchziehen und schicken die Patienten mit einem Schmerztabletten-Rezept un einem Massagegutschein wieder nach Hause. Im Idealfall erhällt man noch einen Hinweis auf „altersgemäße Abnutzung“. So alt bin ich ja nun auch noch nicht. *grml*

    Vielleicht liegts ja auch an den Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen, aber ich fühle mich nicht selten wie ein Hypochonder.

  3. @Flocke und @Kinderdoc

    Das liegt meiner Meinung nach nicht an irgendwelchen Ärzten oder irgendwelchen Klischees…das glaubt ich rein gar nicht.

    Soll ich euch etwas sagen:

    Ich weiß es selber nicht warum das so ist.

    Heute auch wieder erlebt:

    Patientin BWS Beschwerden, Kollege macht eine Traktion an der HWS!!

    Warum nur..obwohl das sogar noch näher liegt, als der Fall im Beitrag!

    Gruß:

    Physioblogger

  4. aga80 sagt:

    @Physioblogger

    Leider gehen einige Kollegen immer den Weg des geringsten Wiederstandes :/ und im schlimmsten Falle heißt es dann , ich gehe lieber zu Kollege/in XYZ , die Massiert mich immer.
    Ich setze da lieber auf Aufklärung , denn wenn der Patient nicht weis ,warum Ich eine Lymphdrainage mit Ihm/Ihr mache , steht der Patient auf und sagt , das war die schlechteste Massage bisher.
    Man kann die tollsten Friktionen, Mobilisationen und Triggerpunkte an der Schulter machen , es heißt beim nächsten mal wieder, „massieren sie mich bitte wie das letzte mal“, ich kann die Schulter schon viel besser bewegen , die Hausübungen waren ja nicht nötig , der „Hampelmann“ soll sich nicht so haben …
    Eine Sache , die mich zusätzlich frustriert ist , das in dem Gebiet , wo ich arbeite , ca 20-30% der Patienten ohne Deutschkenntnisse daher kommen und neben einem Familiären Dolmetscher manchmal NUR passive Maßnahmen übrig bleiben 😦 .

    @Flocke hach dich ließt man ja auch überall. 😀

  5. Kirsten sagt:

    Tja, ich kenne das auch zu genüge als Betroffene. Hab seit vielen jahren Knieprobs und kenne schon diverse Therapeuten. Die Härte war aber auch meine Letzte, die ausschließlich meinen Rücken gelockert, massiert und betüddelt hat.
    Ich glaub nicht, dass das bei ner Patella-Lateralisation so hilfreich ist.

    Meine Theorie: es ist einfacher als zu schauen, wo tatsächlich die Ursache liegt und oftmals vom Patienten gewollt, da er nur passiv sein muss. Auf nem Kreisel rumzutanzen ist halt anstrengender…

  6. S. L. sagt:

    hallo, gestern habe ich privat eine Therapeutische Rückenmassage in einem Krankengymnastikstudio bekommen. Nach der Frage Wo mein Hauptproblem wäre: beantwortete ich dies mit der Bewegungseinschränkung von meinem linkem Arm und feste Schultermuskulatur. Woraufhin die Dame gleich loslegte ohne weitere Fragen zu stellen. Zuerst war es sehr angenehm da sie die Problemzonen als erstes behandelt hat. Leider hat sie andere Probleme in meinem Lendenwirbelbereich bei mir entdeckt und versucht diese chiropraktisch zu korrigieren ohne mich zu Fragen. ( Hat übrigens nicht geklappt) Ich habe es ihr daraufhin gebeten es zu unterlassen, was sie auch ernst nahm. Leider schmerzt mir mein Rücken nun um einiges mehr als vorher und meine Kopfschmerzen werden deutlich langsam stärker. Normaler weise wird immer eine Anamnese vorher gemacht, und dann wird wirkt die Massage super.
    werde mich sehr freuen auf einen Tipp

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